Zaug ZR












REMONDIS übernimmt operative Führung der Zaug-Recycling GmbH

REMONDIS übernimmt operative Führung der Zaug-Recycling GmbH

Kreisausschuss beschließt in Sondersitzung gemeinsame Strategie mit REMONDIS – Verzicht auf Kapitalzuführung von Landkreis

Buseck 16. Februar 2015. Das regionale Entsorgungsunternehmen Zaug-Recycling (ZR) GmbH in Buseck wird künftig unter der operativen Führung des Gesellschafters Remondis stehen. Wie der Landkreis Gießen als Mehrheitsgesellschafter gestern mitteilte, wird Siegfried Rehberger künftig an der Spitze des 190-Personen-Betriebs stehen. Rehberger ist seit vielen Jahren Geschäftsführer der Remondis GmbH & Co. KG, Region Südwest, und in dieser Funktion seit 2006 als Gesellschaftervertreter des bundesweiten Marktführers in der Entsorgungsbranche auch in den Gremien der ZR vertreten. Remondis hält an ZR bisher 25,1% der Anteile, der Landkreis 57,4% und der bisherige Geschäftsführer Klaus Müller 17,5%. Rehberger soll die Gesellschaft operativ für zunächst drei Monate führen. Bis dahin wollen Kreis und Remondis gemeinsam einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin in der Geschäftsführung finden.

Der Kreisausschuss (KA) des Landkreises Gießen hatte am Montagmorgen in einer von Landrätin Anita Schneider geleiteten Sondersitzung grünes Licht gegeben für ein Strategiepapier, das sie zusammen mit Erstem Kreisbeigeordneten Dirk Oßwald als verantwortlichem Vertreter des Kreises in der Gesellschaft in den vergangenen Tagen mit dem Mitgesellschafter Remondis ausgehandelt und mit den Spitzen der Kreiskoalition aus SPD, Grünen und Freien Wählern sowie der hauptamtlichen Kollegin im Kreisausschusses, Kreisbeigeordneter Dr. Schmahl, abgestimmt hatte.

Die jetzt vereinbarten Veränderungen im Unternehmen erfolgten im Einvernehmen mit dem bisherigen Geschäftsführer und Mitgesellschafter Klaus Müller, der die Neuausrichtung inhaltlich mittrage, wie in der Pressemitteilung formuliert wird. Müller hatte die Leitung des Unternehmens 2002 mit einem Bestand von 15 festangestellten Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 2 Mio. Euro  übernommen. Landrätin Schneider dankte Müller für den Aufbau des Untermehmens in schwierigem Marktumfeld.

Die beiden Hauptgesellschafter Landkreis und Remondis vereinbarten eine detaillierte Strategie für die Zukunft der Gesellschaft, die mit einem Umsatz von über 19 Mio. € inzwischen zu den Marktführern im mittelhessischen Bereich zählt. Zu den Eckpunkten gehören neben der Übernahme der operativen Führung des Tagesgeschäfts eine schnelle gründliche und gemeinsame Analyse durch Experten aus dem Abfallkonzern wie des Beteiligungscontrollings des Kreises, um die richtigen Weichen für eine positive Zukunftsentwicklung zu stellen. Ferner streben beide auch eine künftig stärkere Rolle von Remondis auf der Eigentümerseite an, will der Konzern aus Lünen doch perspektivisch 49% der Anteile halten, während der Kreis mit 51% Mehrheitsgesellschafter bleiben soll. „Das operative Geschäft wird künftig von Remondis verantwortet. Darin haben die Kollegen als bundesweiter Marktführer in der Abfallbranche die allerbeste Erfahrung. Alle wichtigen strategischen Entscheidungen werden wie bisher gemeinsam getroffen“, machte Oßwald die Rollenaufteilung deutlich. Vorbild ist für beide die Frankfurter Entsorgungs- und Service-GmbH, in der seit vielen Jahren die Stadt Frankfurt (51%) und Remondis (49%) inhaltlich und wirtschaftlich erfolgreich die Abfallentsorgung in vielen Bereichen für die Frankfurter Bürger und Gewerbetreibenden organisieren.

Mit dieser geplanten Umstrukturierung auf Gesellschafterebene, die im Laufe des Jahres umgesetzt werden soll und über die auch noch der Kreistag zu entscheiden hat, soll dann auch ein Aufsichtsrat eingerichtet werden, dessen fachkundige Besetzung beiden Partnern wichtig ist. „Dieses Gremien soll aus Experten bestehen, die künftig die Weiterentwicklung der Gesellschaft unterstützen und die künftige Geschäftsführung kontrollieren“, machte man deutlich.

Diese Forderung hatte der Kreistag in seinem jüngsten Beschluss zur Zukunft der ZR GmbH am 15. Dezember 2014 bereits formuliert. Anlass war damals die geplante Zuführung von Eigenkapital von bis zu 1 Mio. € durch alle drei Gesellschafter gewesen, weil sich durch schnelles Wachstum bei gleichzeitig wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen in den Geschäftsjahren 2012-4 das Eigenkapital der Gesellschaft deutlich reduziert hatte. Obwohl der Kreistag damals grünes Licht gab und den Kreisausschuss ermächtige, entsprechend seinem Anteil bis zu 574.000 € in die Gesellschaft einzulegen, wird es mit der jetzt vereinbarten Strategie zu diesem, von den Hausbanken geforderten Schritt seitens des Landkreises kurzfristig nicht mehr kommen müssen. Denn schriftlich vereinbart haben Kreis und Remondis auch, dass die Notwendigkeit und Höhe einer Eigenkapitalzuführung jetzt in Folge der gründlichen Analyse erst einmal überprüft und in Gesprächen von Remondis mit den Banken abgeklärt wird. Sollte sich in den nächsten Monaten herausstellen, dass kurzfristig Kapital zum Weiterbetrieb benötigt wird, so wird der private Partner entsprechende Lösungen herbeiführen.

Im Übrigen bekennen sich beide Partner zur Zukunft des regionalen Recyclingunternehmens, wollen auch in Zukunft beide Standorte in Buseck und in Gießen erhalten, möglichst alle derzeitigen Arbeitsplätze sichern, Tariflöhne zahlen, mit derzeit 11 Auszubildenden auch diese Stärke des Unternehmens weiter fördern und strategisch noch intensiver im Sinne einer gegenseitigen Wertschöpfung kooperieren als dies bisher der Fall war.

Heute (am Dienstag) werden die Gesellschafter die Führungskräfte und den Betriebsrat in Buseck über Details informieren. In den kommenden Tagen ist zudem eine Mitarbeiterversammlung geplant. Dort werden Remondis und der Landkreis über die nächsten Schritte informieren.